"... Swirling furiously among the stairs and corridors of her exquisite home like a small and angry white bat Sybilla, Dowager Lady Culter, was not above spitting at her unfortunate son when he chose to sit down in his own great hall to take his boots off. '[...] The Church,' said Sybilla definitely, 'should excommunicate girls who do not replace lids on sticky jars and wash their hair every day with the best towels. ..."

Dorothy Dunnett: Disorderly Knights,
Part Three: The Double Cross,
XIII - The Axe Is Turned on Itself
(Midculter, Flaw Valleys, Boghall, September 1552)

Junge Mädchen und verheiratete Frauen


oben:
AGNOLO DI DOMENICO DEL MAZZIERE
(MEISTER VON SANTO SPIRITO)
Portrait eines jungen Mädchens
um 1485/1490
Tempera auf Holz
Gemäldegalerie Kulturforum, Staatliche Museen zu Berlin
Quelle der Abbildung: Web Gallery of Art


mitte:
DAVIDE GHIRLANDAIO
Portrait der Selvaggia Sassetti
um 1490
Tempera auf Holz
Metropolitan Museum of Art, New York
Quelle der Abbildung: Web Gallery of Art


unten:
SANDRO BOTTICELLI
Portrait einer Frau am Fenster (Smeralda Brandini?)
um 1475
Tempera auf Holz
Victoria and Albert Museum, London
Quelle der Abbildung: Web Gallery of Art


Die beiden ersten Portraits zeigen junge unverheirate Mädchen. Inzwischen hat sich die Dreiviertelansicht des Gesichtes durchgesetzt, trotzdem wünscht man keinen zu nahen Kontakt zu den Bildern. Auf dem ersten steht unten "NOLI ME TANGERE" (Rühr mich nicht an).

Diese Bilder sind nicht anläßlich einer Hochzeit entstanden, deutlich wird das an den schlichten Kleidern und am Jungmädchenschmuck der damaligen Mode, der roten Korallenperlenkette.
Vielleicht dienten die Portraits dazu, bei Hochzeitsanfragen ein Bild der Tochter vorweisen zu können, denn die Töchter bei solchen Anfragen selbst zu sehen, galt als unschicklich; das wissen wir aus den Briefen Alesandra Strozzis, die sich bei solchen Brautwerbungen für ihre Söhne die Mädchen vorher heimlich in der Kirche anschaute, oder von den Freundinnen beschreiben ließ.

Die junge Frau auf dem mittleren Portrait, Selvaggia, ist mehrmals gemalt worden, sie gehörte zur angesehenen Kaufmannsfamilie Sassetti. Hier sehen wir sie nochmals im Kreis ihrer Familie. Sie ist das Mädchen im blauen Kleid, deutlich erkennt man das etwas vorstehende Auge, das auch im Portrait von Ghirlandaio zu sehen ist.

Ihre ältere Schwester Lisabeta steht ganz links, in einem hellen Brokatkleid, vorne, neben Sevaggia, kniet im roten Kleid und mit offenen Haaren ihre jüngere Schwester Madalena .

Das letzte Bild zeigt eine Ehefrau. Es handelt sich um eine Patrizierin, darauf deuten ihr rotes, mit bestickten Borten verziertes Kleid und das transparente Übergewand hin. Auch das Taschentuch, das sie in der Hand hält, ist ein Standesattribut. Sie ist übrigens nicht schwanger, das vor dem Leib geraffte Gewand vermittelt nur den Eindruck.
Dies ist die Kleidung verheirateter Frauen, die sich im Haus aufhalten. Auch sie wird innerhalb des Hauses gezeigt. Auf dem Fenster hinter dem sie steht, ist auf dem Sims zu lesen: 'Smeralda di ... Bandinelli moglie di Vi ... Bandinelli' 'Smeralda di ... Bandinelli Frau des Vi ... Bandinelli'.
Unklar ist, ob die Inschrift später hinzugefügt wurde.
Die an die Fensterbrüstung gestützte Hand und die leichte Drehung von uns weg schaffen auch hier wieder die Distanz, die der Anstand fordert.
Ein weiteres Detail ist noch von Bedeutung: die geöffnete Tür im Hintergrund könnte bedeuten, dass diese Frau, als das Bild entstand, nicht mehr am Leben war.



Zurück zum Adventskalender

Zu den alten Adventskalendern   Zum Dunnettie-Forum